Hypermedia

Stark strukturierte Bücher enthalten im Prinzip alles, was Hypertexte auch enthalten: hierarchische Strukturen (Kapitel und Unterkapitel), verbindende Elemente (Querverweise), sowie unterschiedliche Informationszugänge (Inhaltsverzeichnisse, Stichwortverzeichnisse). Der Unterschied liegt allein in der Präsentation: das Buch "empfiehlt" sich rein äußerlich trotz der nicht-linearen Angebote letztlich, linear bewältigt zu werden - "Seite für Seite". Bei Hypertexten, die am Bildschirm präsentiert werden, wird diese stillschweigende "Recommendation" von Büchern aufgebrochen.

Überspitzt kann man es so ausdrücken: Text in Büchern, auch in stark strukturierten Büchern, liest man; Hypertext dagegen liest man nicht, sondern man "navigiert" darin. Ob das Lesen dabei tatsächlich zu kurz kommt, ist eine durchaus ernstzunehmende Frage, der sich das Medium Hypertext stellen muss.

Es gibt durchaus auch Bücher, die nicht von vorne nach hinten gelesen werden. Lexika beispielsweise, oder auch Fachbücher mit Nachschlage-Charakter. Und genau bei dieser Sorte Literatur hat sich Hypertext bislang auch am erfolgreichsten bewährt. Kaum vorstellbar ist Hypertext dagegen bei literarischen Gattungen wie klassischen, aus einem klaren Handlungsstrang bestehenden Romanen. Andererseits besitzen die meisten modernen Romane eben keinen solchen klaren Handlungsstrang mehr. Seit mindestens hundert Jahren schon bewegt sich auch die schöngeistige Literatur weg von der Linearität. Damit wird sie ebenfalls relevant für Hypertext, auch wenn sich auf diesem Gebiet alles eher noch in der Experimentierphase befindet.